Erinnerung an eine wundervolle Zeit

Erinnerung an eine wundervolle Zeit

Freitag, 19. Oktober 2012

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Mombasa, Hochzeit, und andere lustige Dinge

Hallo ihr Lieben,...

Jaja, ich weiß... ich soll mich endlich mal wieder melden, ... "haben schon so lange nichts mehr gehört..." "Denkst du überhaupt noch an uns?!?"

Also: ES TUT MIR LEID! Ich denke schrecklich oft an euch alle, doch irgendwie war die letzte Zeit vom Programm her etwas vollgestopft.

Also zunächst mal war ich ein paar Tage in Deutschland um meine entzückende Nichte Fiona kennenzulernen.
Ok, und um ein Bier zu trinken,
eine Runde Geocaching mit dem Hannes zu machen,
und im Murphys zu sein,
und eigentlich auch in den Schinderhannes zu gehen (leider nicht in die Tat umgesetzt.),
mich zum Eis mit netten Kollegen treffen,
nochmal richtige Kroketten und Pizza zu essen
und den Elvis zu knuddeln. Auch ein paar Menschen wurden geknuddelt:D

Auf jeden Fall war die Zeit in good old Germany echt toll und auch wenns ziemlich stressig war und alles andere als Urlaub fand ich es sehr schön, viele Menschen/Hunde wiederzusehen, die man während einem halben Jahr echt vermissen kann!

Zurück in Kenya freute ich mich schon riesig auf den Mombasa Urlaub. Doch so einfach war es dann doch nicht. Angekommen war nämlich nur ich am Flughafen in Nairobi und leider nicht mein Gepäck. Also musste ich eine Nacht in Mbagathi (neben Nairobi) übernachten und erst Sonntags wieder Richtung Ngechek fahren. Bepackt mit schwerem Gepäck ging es dann mittels öffentlichem Matatu rauf nach Eldoret. Nach 6 Stunden Fahrt dort angekommen ging es weiter mit einem anderen Matatu nach Mosoriot. Und dort wurde ich abgeholt. Fix und fertig angekommen war ich doch wirklich sehr froh alle wiederzusehen.
Wobei alle ist etwas übertrieben: Die Kinder waren für die Ferien zu Hause und so waren wir doch recht alleine. Macht aber nix, durch neue Teammitglieder hatten wir sehr viel zu erzählen und kennenzulernen. Aber obwohl es so schön war hatte ich nur den Montag um mich ein bisschen auszuruhen.
Dienstags gings wieder Richtung Süden.
6 Stunden Fahrt nach Mbagathi. Und etwas nebenbei: Ich mag Mbagathi nicht. Es ist städtisch, es ist laut, es sind viele Menschen dort, und es ist nicht Ngechek! Aber wir übernachteten dort nur um dann Mittwochs früh (5 Uhr) mit Bussen nach Mombasa zu fahren. Wir waren eine riesige Truppe. Insgesamt von 3 Stationen kamen die Leute mit und Ngechek war dabei die Kleinste. Nach 10 Stunden Autofahrt sind wir auch endlich angekommen. Ein Bus war ein bisschen länger unterwegs: 15 Stunden. Absoluter Wahnsinn. Doch vor uns lag Urlaub.
Dachte ich.
Bis dann Imke ankam und fragte ob ich mit ihr zusammen als Krankenschwester vor Ort zuständig sein möchte. Klar, wird wohl nicht viel sein.
Dachte ich.
Mal wieder falsch gedacht. Als Imke dann wegen gesundheitlichen Gründen auch noch ausviel, sprang zum Glück Maria ein. Aber von Urlaub konnte ich dann echt nicht mehr sprechen. Aber als Entschädigung waren wir an einem traumhaften Strand und hatten echt viel Spass untereinandern.




Und wir konnten echt viele andere Leute kennenlernen. Doch komisch war es schon ein bisschen. Wir konnten ja nicht einfach mir nichts, dir nichts, im Bikini darum springen, wenn wir sonst uns an Kleidungsvorschriften halten. Im Bikini da rumlaufen und eine Woche später mit Kenianern wieder arbeiten, nachdem sie einen so gesehen haben: keine wirklich gute Idee.
Ich meine in Deutschland: kein Thema. Doch hier sieht man einen dann als Freiwild, und darauf hatte weder ich, noch irgendsonst ein Mädel von unserem Team Lust. Also immer brav mit Shirt oder Top schwimmen gehen.


Nach einer Woche voller Spass und Albernheiten sind wir dann zurückgefahren. Halt, ich bin mit Lydia und noch ein paar Anderen einen Tag früher abgereist, damit jemand auf Station ist, wenn die Kinder wieder zurück aus den Ferien kommen. Doch unsere Tour war dafür ohne Pause in Mbagathi. Nach 15 Stunden anstrengender Matatufahrt kamen wir fix und fertig in Ngechek an.

Die Kinder habe ich schon sehr vermisst und war heilfroh als wieder Leben in die Station kam. Die meisten haben ihre Ferien bei den Verwandten sehr genossen und es hat echt gut geklappt. Aber mit Ausruhen war nicht viel.

Die erste Schulwoche war voll gepackt mit Vorbereitungen auf die kenianische Hochzeit am Samstag. Es sollte eine riesige Hochzeit mit 600 Gästen werden. Was hier aber riesig heißt sollten wir Deutschen erst noch am eigenen Leib erfahren.

Und natürlich, wie es sich für eine kenianische Hochzeit gehört, waren wir alle recht spät dran. Pünktlichkeit hätte ich eh für übertrieben und spießig gehalten in Kenia. Und natürlich ist eines unserer Autos dank einem Spritproblem hängengeblieben (der Sprit war wohl mit irgendwas gestreckt woren...). Und so trafen wir alle relativ pünktlich so gegen viertel nach 10 in Eldoret in der Kirche ein. 10 Uhr sollte der Gottesdienst beginnen, aber wir waren so ziemlich die Ersten vor Ort. Um halb 11 waren dann tatsächlich schon alle da. Nur einer nicht: Der Pastor. Blöd. Als man ihn angerufen hat war dieser sehr überrascht. Natürlich war 10 Uhr ausgemacht, aber in Kenia bedeutet das, dass man vielleicht, wenn man viel Wert auf Zeit legt, so um 11 Uhr anfängt. Aber das tun die Meisten ja nicht, Wert auf eine Uhrzeit legen... Aber er beeilte sich und so konnte die Zeremonie beginnen. Ok, die Braut war wunderschön (eine aus unserem Team) und der Bräutigam war natürlich auch sehr nervös (unser Teamleiter), wie sich das gehört.
Aber für meinen persönlichen Geschmack, war das Ganze sehr unafrikanisch und dafür sehr amerikanisch. Und so ein Amerika- Fan bin ich leider nicht. Doch für die Kenianer war es eine absolute Traumhochzeit, und darauf kommt es schließlich an. Und auch wir Deutschen kamen auf unsere Kosten. Da unser Teamleiter ein Massai ist, waren auch so seine halbe Verwandtschaft vor Ort. Und die führten einen richtig traditionellen Massaitanz auf. Echt super. Genau so, wie man sich als Tourist einen afrikanischen Stamm so vorstellt.


Zurück auf Station gabs dann erstmal eine böse Überraschung. Anstatt der erwarteten 600 Gäste waren es weitaus mehr. So um die 1100. In Deutschland werden brav Einladungen verteilt und häufig noch Sitzordnungen aufgestellt. Das funktioniert hier mal grad gar nicht. Es gibt keine Einladungen, sondern es ist jeder eingeladen:

1. Verwandte, Freunde, ... (aber wirklich die gaaanze Verwandtschaft, inklusive
Groß-groß-Cousin, Schwägerin des Groß-groß-Cousins..)
2. Jeder, der mal etwas mit Ihnen zu tun hatte (und sei es nur ein Smalltalk auf
dem Feld)
3. Jeder, der etwas mit Ihnen gerne zu tun haben würde (nach meiner Meinung)
4. Jeder, der gerne etwas essen will, und auch noch Massais sehen möchte.

Dafür geht die Hochzeit nicht allzu lange. Um halb 6 abends war schon Schluss und das war eine recht lange Feier. Und von der eigentlichen Feier haben wir als Team so gut wie nichts mitbekommen, da wir eigentlich nur mit Essen servieren beschäftigt waren... Natürlich sehr schade, dass wir die ganzen Reden verpasst haben. Und das von Leuten, die in solchen Momenten das Bedürfnis haben, etwas zu sagen. Und das sind echt viele. Und natürlich auf Swahili, wenn man Glück hat. Meistens aber eher auf Kalenjin oder Massai, sodass man wirklich gaaar nichts versteht. Doch für Emelie und Amos (das Hochzeitspaar :D ) war es ein absolut perfekter Tag, und das ist schließlich die Hauptsache.

Nach der Hochzeit kam dann so langsam der Alltag wieder.
Dachte ich. (Vielleicht sollte ich weniger denken)
Nix da. Freitags ging es dann richtig los. Wie ich ja schon letztes Mal geschrieben habe, wollten wir ein Haus für eine alte Frau und ihren Mann bauen. Und das sind wir dann direkt mal angegangen.
Das Impact- Team, bestehend aus lauter jungen, motivierten (mehr oder weniger) Leuten, machten sich Freitags morgens auf in die Nachbarschaft, um ein anständiges Haus zu erstellen. Die Pfeiler waren dank fleißiger Hände schon vorbereitet, damit wir auch fertig werden.



Aber es gab auch wirklich genug zu tun. Zunächst mal muss man Holzstöckchen an die Pfeiler annageln. Und das muss man erstmal lernen. Aber mit einiger Unterstützung von Caro habe ich tatsächlich nach einiger Zeit den Nagel auf den Kopf getroffen :D


Zwischen die Holzstücke wird dann die Wand `gemauert`... es werden die unteren 30 cm der Wand mit Graßstücken ausgestopft. Anschließend kommt es zum spaßigen Teil: es wird Matope hergestellt. Also vor allen Dingen viel Matsch und Spass für uns!!







Das Matope besteht eigentlich wirklich nur aus Wasser und Erde, was man schön zusammen mischt. Erinnert irgendwie an einen Hüttenbau in der Kindheit. Aber es hält hier wirklich. Und während wir fleißig den Matsch in die Wand geformt haben, waren die Männer auch nicht untätig: Sie befestigten das Dach.
Alles in allem waren wir Samstags fertig mit unserem Werk, und ich denke, es kann sich auch sehen lassen!



Ok, es ist noch nicht ganz fertig. Nach ca. 2-3 Monaten ist der Matsch richtig hart und die Wände werden verputzt. Und ein Boden wird noch reingelegt...
Also dank eurer Unterstützung wohnt dieses Ehepaar jetzt unter einem richtigen Dach und ich werde noch Bilder posten, wenn es komplett fertig ist (mit Boden und Einrichtung usw.), aber vielen lieben Dank nach Deutschland. Ohne solche Unterstützung müssten sie immer noch unter einem Strohdach leben und könnten sich kaum darin bewegen. Wobei das Haus für deutsche Verhältnisse auch nicht überdimensional ist, doch hier ist es wirklich eine gute Lebensgrundlage.

So, jetzt habe ich nochmal genug geschrieben. Ich freue mich, von euch zu hören, wie es euch so im kalten Deutschland geht...

Ganz liebe Grüße

Kiki

Mittwoch, 18. Juli 2012

Hallo ihr Lieben.
Ich wollte mich nochmal ganz herzlich für die vielen lieben Spenden bedanken.

Und euch kurz eine Rückmeldung geben, wie es eurem Geld so ergangen ist :D

Leider stand ich hier vor einem grundsätzlichen Problem: Das Geld wollte ich in erster Linie in die Kinder hier vor Ort investieren. Und das probiere ich auch. Nur mache ich das halt auch nur, wenn es Sinn macht.
Denn wenn man aus deutscher Perspektive auf die Situation der Kinder guckt, könnte man vieles anschaffen: Spielzeug, Anziehsachen, Süßigkeiten... doch irgendwie ist das eigentlich eher kontraproduktiv.
Für ein afrikanisches Kind haben unsere Kinder nämlich schon extrem viel: sie bekommen 3 mal am Tag abwechslungsreiches, gesundes Essen; haben etwas zum Anziehen und können sogar die Unterwäsche wechseln; jedes Kind hat ca. 1 kleines Spielzeug; und sie haben die Grundausstattung für die Schule.
Natürlich könnte ich mit eurem Geld jetzt den Kids alles mögliche an Spielkram kaufen, oder an Anziehsachen, damit sie auch immer top gestylt sind. Und schwups ist mit eurem Geld folgendes passiert: wir haben verzogene Kinder herangezogen, die nicht mit dem materiellem Wohlstand umgehen können und sich erst recht später nur noch schwer in die afrikanische Gesellschaft eingliedern können. Klar würde ich den Kids hier am Liebsten auch einfach eine Freude machen, und ihnen all solchen Blödsinn kaufen, doch es würde mir das Herz brechen, wenn sie später durch den europäischen Stil sich einfach nicht mehr zurechtfinden.
Wenn man in Deutschland aufwächst, und den Luxus von vorne herein gewöhnt ist, hat das wahrscheinlich nicht so einen Effekt (denke ich zumindest bei den meisten die ich kenne ;) wie bei diesen Kindern. Im Moment kann ich euch versichern, dass der Großteil sehr glücklich ist, und sich hier zu Hause fühlt. Und deshalb denke ich brauchen diese Kinder Luxus nicht. Natürlich bekommen sie ab und zu kleine Geschenke, und über diese freuen sie sich dann aber auch richtig.
Also was ich bisher noch investiert habe in die Kinder, ohne euch davon was zu schreiben war:

- Socken für die kleinen Kinder gekauft, da Socken hier keine Selbstverständlichkeit sind, aber ich will nicht, dass sie bei dem Wetter (es kann kalt werden!) krank werden

- Aufklärungsunterricht: Alle Kinder sollen nach und nach altersgerecht verstehen, was sie für eine Infektion haben, und wie sie damit umgehen sollen. Deshalb wurde ein Aufklärungsteam für ein paar Tage hierhin geholt, die mit den Kindern gesprochen haben und auch das Team nochmals geschult haben, speziell zum Thema HIV. Das war vor allem gut, da ein Mädchen aus dem Team selber HIV positiv ist und einfach erklärt hat, wie sie mit der Infektion umgeht und dass es trotzdem möglich ist, es weit zu bringen.

- Stoff für Schuluniformen wurde von dem Geld eingekauft (Schuluniformen sind Pflicht in Kenia)

- da in letzter Zeit das Wetter etwas kälter mal wieder wurde, waren die meisten Kinder stark am Husten. Doch immer die Hustenmedizin ihnen zu geben fand ich nicht die optimale Lösung, deshalb habe ich von dem Geld etwas Honig und Ingwer besorgt und hab ihnen ein paar Mal Tee gekocht. Und zum Glück ist der Husten bei dem Großteil der Kinder verschwunden.

In solche Dinge fand ich, macht es Sinn zu investieren und ich hoffe, ihr sehr das ungefähr genauso. Doch es gäbe noch ein paar Anliegen, in die ich persönlich auch gerne etwas Geld stecken würde. In eine Sache habe ich das bereits einfach gemacht, wenn ihr etwas dagegen habt bin ich aber auch gerne bereit, das privat zu bezahlen.

Es geht um ein Mädchen Namens Janet. Sie wuchs bei einer alkoholabhängigen Mutter auf. Zeitweise war sie im Kinderheim in Tinderet. Dies ist ca. 2 Stunden Autofahrt von uns entfernt. SIe war eine gute Schülerin in der Primary school. Diese geht bis Klasse 8. Doch leider konnte die Familie nicht den Besuch der Secondary school bezahlen. In der Kirche bei uns in der Nachbarschaft wurde für dieses Mädchen Geld gesammelt. Ich habe beobachten können und teilweise von anderen Familien mitbekommen, wie die Afrikaner, die teilweise selber nicht viel haben, das wenige das sie haben, gespendet haben. Janet war einmal auch zu Besuch. Im Gegensatz zu vielen anderen Kindern in diesem Alter macht sie einen sehr erwachsenen Eindruck. Sie hat sehr klare Vorstellungen von ihrer Zukunft (nein, kein Astronaut, Spielzeugfabrikant oder Lokomotivführer). Später würde sie gerne Sozialarbeiterin werden, um Kindern, die ähnlich wie sie aufwachsen, zu helfen. Ich war sehr beeindruckt von ihr und habe den restlichen Teil des Schulgeldes, das noch gefehlt hat, gespendet. Insgesamt wurden ca. 20.000 Schilling benötigt. 14.000 wurden durch die Bekannten hier in der Umgebung gesammelt. Das ist wirklich sehr viel Geld für diese Menschen hier! Ich habe dann 6.000 Schilling dazubezahlt und sie wird demnächst die Schule besuchen. Es ist eine 'Boarding school', dass heißt sie wird in der Schule auch leben. Im Prinzip wie ein Internat. Da es nicht für die Kinder hier im Kinderheim war, fände ich es toll, wenn ich eine Rückmeldung bekommen würde, ob das für euch ok ist. Es sind ca. 60 Euro gewesen. Aber wie gesagt, im Notfall bin ich gerne bereit, dass zu bezahlen, wenn ihr das nicht finanzieren wollt.

So dann noch ein Anliegen: Mittlerweile habe ich ´ganz gute Kontakte zur Nachbarschaft. Und es ist einfach schwierig zu sehen, wie die Nachbarn teilweise sehr viel Probleme haben, und auf unserer Station alles soweit gut ist. Da immer einfach wegzugucken finde ich nicht richtig. Aber ich habe auch nicht vor, einfach Geld an die Nachbarn zu verteilen!
Doch hier ist eine Mama Anjelina. Sie ist 45, wirkt aber sehr viel älter. Sie hatte es in ihrem Leben nie leicht (wie die meisten eigentlich hier), aber sie ist körperlich durch jahrelange, schwere Arbeit sehr angeschlagen. Sie wohnt in einer kleinen runden Lehmhütte. Es ist sehr klein und stickig in dem 'Haus'. Es ist wirklich nicht sehr einfach dort jeden Tag zu essen, zu schlafen, und zu kochen. Ich werde bei Gelegenheit ein paar Bilder davon machen. Ein paar Teammember hier wollten sich zusammenschließen, um ihr ein neues, zwar bescheidenes, aber festes Haus zu bauen. Die Kirche würde auch etwas an Geld zusteuern. Insgesamt kostet so ein Haus ca. 150 Euro. Was meint ihr? Sollen wir von dem Geld dieses Projekt unterstützen???

Also, ich hoffe, ich bekomme ein paar Antworten :D
Bis bald
Kiki

Samstag, 30. Juni 2012

ein kleiner Bericht über Freitag, den 29.

Also bisher habe ich eigentlich immer versucht recht objektiv zu reden. Aber heute habe ich beschlossen, einfach mal ganz subjektiv zu sagen, wie ich den heutigen Tag so fand: echt scheisse. Ja ich weiß; das sagt man nicht. Doch wenn ich ehrlich bin finde ich, dass manche Dinge sooo ätzend sind, dass dieses Wort das einfach nur vortrefflich beschreibt und in diesem Fall alles andere als ein Schimpfwort ist, sondern nur ein passendes Adjektiv.


Es fing natürlich gestern Abend schon an, mir einem Fußballspiel an das ich mich einfach nicht mehr erinnern möchte. Dies war übrigens das einzige deutsche Spiel was hier live übertragen wurde. Na danke. Aber von so etwas lasse ich meine Laune dann doch nicht sooo in den Keller ziehen. Aber das Schicksal hat sich für mich noch mehr ausgedacht.


Mein Tag heute war voll durchgeplant. Eigentlich eher untypisch für einen kenianischen Alltag, aber im Moment arbeite ich in der Medi, im Sponsorship, und halb bin ich Gästemama und für die Wäsche zuständig. Und weil das noch nicht genug ist, helfe ich in der Küche mit. Mittlerweile darf man da auch ruhig von helfen und nicht mehr nur belustigen sprechen =) Und dann hatten wir heute noch ein Seminar bzgl HIV wo ich dann die Teepausen organisiert habe. Also mein Tagesplan sah so aus:


6:50: viel zu spät aufstehen, trotzdem erstmal duschen
7:15: zu spät zum Frühstück kommen und sich das Brot in Rekorttempo unterdrücken
7:30: Devotion
8:00: Spülen vom Frühstück, schonmal Kartoffeln fürs Mittagsessen schälen
9:30: Teepause vorbereiten
9:40: weiter Kartoffeln schälen
10:15: Tee in die Schule bringen
10:30: Öffnungszeit in der Medi
11:00: Teepause wieder aufräumen
11:30: Mittagessen weiter vorbereiten
12:30: Mittagessen
12:50: Spülen
13:30: Medikamente für das Krankenhaus in Mosoriot abzählen. (Sie wollen ganz genau wissen, von welchem Mittel ich wie viele Tabletten habe...)
14:30: Gemüse fürs Abendessen schälen
15:00 : Tee und Kuchenpause fertig machen
15:30: Öffnungszeit in der Medi
16:30 Teepause wieder aufräumen
17:00 im Wäschezimmer Waschmaschine ausräumen

So, doch dann wurde ich blöderweise um 11:00 Uhr angerufen. Ich sollte bitte sofort nach Eldoret kommen, um ein Paket für die Medi abzuholen. Das man mal nicht einfach grad so nach Eldoret fahren kann, versuchte ich verzweifelt zu erklären.
Aber nein, man ist sehr stolz auf seine wichtige Position in der Poststation und muss ab und zu mal seine Macht demonstrieren. Also alle Pläne über den Haufen werfen und nach Eldoret.
PikiPiki kam natürlich eine halbe Stunde zu spät, aber eine halbe Stunde macht ja nix. Leider bin ich überhaupt nicht begeistert, wenn ich nach Eldoret fahren muss. Ein kleiner Vergleich:

Ngechek:


Eldoret:


Also Eldoret stinkt, ist dreckig, es sind viel zu viele Menschen unterwegs, und man ist einfach fertig danach. Und das alles für 10 Päkchen Malariamedikamente und Vomex. So ein Blödsinn. Also eine sinnlose Reise. Aber der Rückweg wollte mich das Schicksal dann wirklich Geduld lernen. Doch leider fragt mich das Schicksal in sowas nie nach meiner Meinung dazu.

Meine Reise zurück sollte folgendermaßen aussehen: Mit dem Matatu bis nach Mosoriot. Das ist eine Art Vorstadt, aber recht klein. Es gibt aber sowas wie einen „Supermarkt“, was eigentlich ein etwas größerer Kiosk ist. Und im „Hygienestandarts“ möchte dieser Vorort Eldoret wirklich in nichts nachstehen. Es ist schon ein bisschen ekelig. Von Mosoriot aus dann mit dem PikiPiki die „Dusty Road“ ca. Eine halbe Stunde zur Station.
Doch vom Matatu nach Mosoriot aus sah ich leider schon die riesigen grauen Wolken am Himmel. Also rief ich Meschak an. Dies ist ein PikiPikifahrer, der glücklicherweise die Eigenschaft besitzt, gerne Geld verdienen zu wollen. Sodass er auch bei etwas suboptimalen Bedingungen immer fährt. Doch auf dem Rückweg geschah dann das beinahe Unglaubliche: Meschak wollte wegen Regen lieber doch zurück nach Mosoriot und dort warten. Habe ich noch nie bei ihm erlebt.
Aber zwingen wollte ich ihn dann doch nicht.
Weil ich irgendwie nicht so begeistert davon war, mich so eine Stunde unter ein Holzdach zu stellen, beschloss ich, mich in ein Cafe zu setzen. Cafe ist eigentlich auch wieder zuviel gesagt. Aber es gibt dort seeehr leckere mit Fleisch gefüllte Teigtaschen. Davon habe ich letztes Mal direkt drei Stück gegessen. Ohne zu fragen welches Fleisch es ist. Aber das Thema möchte ich nicht vertiefen, da meine Übelkeit sonst wiederkommen könnte.
Aber mit Tee trinken kann man eigentlich nie was falsch machen. Und in der Zwischenzeit rief ich auf Station an, um zu fragen, ob es dort schon aufgehört hat zu regnen. Nein hat es nicht.
Also organisierte Jakob jemanden, der mich per Auto abholen kommt. (16:15) 2 Minuten später rief Meschak an, und schlug vor bei dem „bisschen Nieselregen“ doch jetzt einfach aufzubrechen. Ich rufe daraufhin auf Station an und erkläre, dass ich gerne bereit bin ein Risiko in Kauf zu nehmen und mit Meschak zurückzukommen. Doch Joel, ein Kenianer erklärte mich blöderweise für suizidgefährdet und drohte mir mit sämtlichen Dingen, damit ich das jaaa nicht mache. Im nachhinein ärgere ich mich, dass ich es nicht gemacht habe. No Risk, no fun. Aber es macht auch sehr viel mehr Spaß, im Regen in Mosoriot zu warten und hoffen, dass jemand vor Anbruch der Dunkelheit kommt. Denn ich hatte schon ein bisschen Angst, als einzigste weiße Frau im Umkreis von 20 km. Um 16:48 rief ich nochmal Jakob an, ob alles seinen Lauf nimmt. Alles sei ok, es kommt jemand. 17:15: Ich fange an, mir Gedanken zu machen, da man normalerweise eine halbe Stunde braucht und keine Stunde. Ich frage mal nach der Nummer von Boaz, denn er sei der Fahrer. 17:31: Boaz sagt, er sei auf dem Weg. Ok, es ist kalt, es regnet, und es dämmert ein bisschen. Aber „The hard times makes you strong“, in diesem Moment wollte ich lieber in Zukunft etwas weniger strong sein, weil es wirklich kalt und sehr unheimlich war. 17:55: Ich rufe Boaz dann nochmal an, weil ich echt richtig Angst bekomme. Und die unglaubliche Antwort: Er sei auf dem Weg. Na hoffentlich. Zum Glück habe ich ein Buch ausnahmsweise dabei, was ich wirklich jedem empfehlen kann (Der 100 Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand). So konnte ich mich ab und zu in diesem Cafe kaputt lachen, und wurde leider als „leicht gestört“ abgestempelt. 18:20 Joel ruft an. Er sei mit Boaz unterwegs und ich solle doch nach Kapnetich kommen. Dass wäre einfacher. Ist mir mittlerweile egal. Also fahre ich mit einem PikiPiki durch den Regen die Hauptstrasse entlang und nach 5 Minuten erreichen wir dann den Treffpunkt. Und das unglaubliche geschieht: Sie sind mit dem Auto da. Sie hatten einen kleinen Zwischenfall und waren mit dem Auto steckengeblieben. Doch nein, in Kenia heißt das noch lange nicht, ab nach Hause. Wir warten noch auf eine Familie, die übers Wochenende bei uns zu Besuch sind. Sie wären schon am Flughafen vorbei. Eigentlich eine Fahrt dann von max. 15 Minuten. Aber ich glaube nicht daran und setzte mich stur ins Auto und lese mein Buch. 19:20: Die Familie kommt wirklich an. Und wir fahren tatsächlich auf Station zurück!

Auf Station war ich wirklich fix und fertig. Kein Essen seit dem Frühstück, insgesamt 2,5 Stunden in Mosoriot gewartet und dann eine Stunde im Auto in Kapnetich. Es war wirklich seeehr kalt und ich war völlig durchgefroren. Doch zum Glück bekam ich in der Stadt beim Kontrollieren unseres Postfaches eine Karte von meiner lieben Kollegin Regina aus Schottland! Vielen lieben Dank. Sie kam genau am richtigen Tag für mich
=D

Donnerstag, 14. Juni 2012


Oh man. Ich habe mir gerade aus Spass mal die Statistik dieser Seite angeguckt. Über 3000 Seitenbesuche. Jetzt ist mir schlecht. Und zugleich brauche ich gaaanz dringend Schokolade. Warum gucke ich mir sowas aus Langweile an??? Ahh!!!





Aber zum Glück habe ich eine nette kleine (!) Schwester, die mich freundlicherweise immer daran erinnert, was Neues zu schreiben. Doch dafür werde ich sie auch zwingen, vom anderen Ende der Welt demnächst auch in einem Blog was zu veröffentlichen...


Tja bei mir ist sowas wie Alltag eingekehrt. Es ist ein sehr seltsames Gefühl. Ich glaube ich hatte es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Aber nunja. Es ist ein absolut faszinierendes Gefühl, jeden Morgen um etwa die gleiche Zeit aufzuwachen...




Ich schäme mich ein bisschen für meinen letzten Blog. Ich war irgendwie echt nicht besonders gut gelaunt. Mich hat echt alles genervt. Das ist zum Glück mittlerweile auf dem Weg der Besserung.

Ich rege mich nicht mehr auf und fange so allmählich an, alles, was anders ist einfach zu akzeptieren. Auch wenn es echt viel manchmal ist.

Vor allem schwer ist es, wenn man um halb 8 Sonntagmorgens (!!) angerufen wird, weil man einfach mit mir quatschen will! Hallo??? So früh morgens? Da ist es doch normal, dass jeder halbwegs normale Mensch entweder schläft, oder nicht zuviel Kommunikation haben möchte.
Aber wie ich erfahren durfte ist halb 8 Uhr morgens eine absolut afrikanische humane Zeit. Eines Samstagabends begang ich den Fehler und habe bei Caro, einer Kenianerin im Kinderheim übernachtet. Sonntagmorgens (mal wieder!) um halb 5 ging es los: Sie musste erstmal ihre Klamotten waschen. Um halb 5!! Und nein, sie war weder betrunken, noch bekifft. Sie hat die ganze Nacht geschlafen und das war nunmal Aufstehzeit. Tja, und die Klamotten wurden dann recht lautstark im Zimmer nebenan von Hand gewaschen.


Und trotzdem war es irgendwie toll, bei Caro zu übernachten. Sie ist zu einer sehr guten Freundin geworden! Auch wenn wir aus verschiedenen Hintergründen kommen und uns in vielen Dingen unterscheiden, stimmt die Chemie. Sie ist absolut diszipliniert, arbeitet die ganze Woche hier durch, studiert noch nebenbei und nachts lernt sie für ihr Examen. Und das Komischste ist: Sie ist IMMER gut gelaunt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sie mal rumgezickt hätte, oder rumgeschrien, oder, oder, oder... für die Facebooksüchtigen unter euch: Sie ist die auf meinem Profilbild.


Dann gab es für mich noch etwas seeehr Schwieriges zu lernen. Im letzten Blog habe ich ja kurz die Geschichte von Emmanuel angerissen. Es war wirklich schwer, zu akzeptieren, dass er nicht nach deutschen Maßstäben in einem Krankenhaus behandelt werden kann. Mein deutscher Verstand hätte ihm am liebsten in einer schönen Pädiatrie gesehen, vielleicht kurz mit einer Magensonde, ein paar Infusiönchen, netten Schwestern (wie auf der 12/14 :D ), kompetenten Ärzten (natürlich auch wie in Wittlich :D), eine bisschen Psychotherapie wegen seiner Vergangenheit... Aber das ist alles ein schöner Traum und hier weit weg von der Realität. Und dann wird als Lösung angesehen für den kleinen Jungen zu beten... Ok, ich glaube an Gott, und ich glaube, dass Gebete etwas verändern können. Aber dass das als Lösung angesehen wird?!?

Ich wollte lieber eine Lösung für meinen deutschen Verstand haben. Doch eine Wahl hatte ich nicht. Es gab eine solche Lösung hier einfach nicht und so musste ich mich wohl oder übel darauf verlassen. Natürlich wurde alles Menschenmögliche getan: Er bekommt weiterhin hochkalorische Kost, er wird sehr liebevoll behandelt, muss nicht in die Schule, bekommt Medikamente...

Aber das Ganze hatte ihn schon in den letzten zwei Monaten nicht viel weitergebracht. Und so schien es, als sei das Menschenmögliche einfach nicht genug.
Und das für mich Schlimmste war: dieser Junge war von grundauf traurig. Man sah ihn nicht lachen, nicht spielen, und sonst einfach teilnahmslos. Er wirkte einfach so, als ob er nicht kämpfen möchte. Und dieser Punkt hat mich mehr als nur beunruhigt. Wenn der Junge von sich aus keinen Lebensmut mehr hat, dann kann man meiner Ansicht nach sehr viel versuchen: es wird doch alles irgendwie scheitern. Also haben wir gebetet. So ziemlich jeden Morgen. Und zwischendurch. Und haben anderen davon erzählt, die auch dafür beteten. Ich weiß nicht, ob ich immer damit gerechnet habe, dass etwas geschieht, aber irgendwie ist etwas geschehen. Seit letztem Mittwoch ist Emmanuel nicht mehr der Gleiche. Ich bin schon sämtliche Theorien durchgegangen, die irgendwie erklären könnten, dass er einfach ausgewechselt worden ist, gegen einen anderen Jungen. Doch leider war ich mit meinen Theorien erfolglos.


Er lacht. Und das ist jetzt nur ein einfacher Satz, der einfach nicht die Gefühle beinhalten kann, was das für mich und für alle anderen hier bedeutet. Die Kinder hier lachen fast immer. Und es ist immer toll. Aber wenn Emmanuel lacht, ist das ein Lachen was auf jeden Fall bei mir einen direkten Zugang zu meinem Herzen hat. Als er heute vor Freude auf dem Trampolin gelacht hat, musste ich schon fast losweinen. Das hätte wirklich jeden berührt. Er hat noch Schmerzen von einer Infektion unterm Arm. Sein Hautzustand ist noch katastrophal. Von seinem CD4- Wert haben wir nichts Neues gehört. Und doch ist diese Veränderung für mich mehr wert, als wenn sich irgendwas rein körperliches gebessert hätte. Er hat im Moment einfach Freude am Leben. Um zu sagen, dass er sich wieder vollständig körperlich erholt kann wohl keiner vorraussagen. Es hängt viel von einer anderen Medikamentenkombination ab, die an ihm ausprobiert werden soll. Aber das steht noch in den Sternen, denn eigentlich ist er zu jung und zu klein hierfür. Es kann nächste Woche mit ihm schon wieder schlechter stehen. Aber ich habe für mich beschlossen, dass ich diese glücklichen Momente absolut auskoste und nicht direkt daran denke, wie es wohl danach aussehen wird. Zur Zeit ist dieser Junge glücklich und das ist im Moment sehr viel wert und für mich ist das ein echtes Wunder.

Tja, bevor ich gleich wieder vor Freude und Rührung losweine schenke ich lieber sehr abrubt und ungeschickt in ein anderes Thema über.

(Diese Übergänge gibt es in der Familie Zenz am Küchentisch von einigen Spezialisten recht häufig...)

Ich erzähle jetzt lieber was zum lachen... Und nein, die Geschichte mit unserem Nachtwächter wiederhole ich nicht. Es reicht, dass die Facebook- Menschen diese schon kennen. Ich möchte nicht, dass 3000 weitere Menschen sich daran erfreuen.

Es gibt hier auch sehr süße, nette Neuigkeiten. Vor ein paar Wochen ist uns ein kleiner süßer Hund zugelaufen. Ein Welpe!! Und schwupps, die ganze Station hat sich in ihn verliebt. Es wäre ja nicht so, als hätten wir schon 3 Hunde hier durchzufüttern, nein, wir brauchen noch Nr.4. Er trägt den Namen ‚Rafiki‘ Was übersetzt ‚Freund‘ heißt. Und weil nach Ansicht einiger unbekannter Nachbarn 4 Hunde noch nicht genug sind, haben sie uns nochmal 3 Welpen vorbeigebracht. Natürlich ohne mit jemandem zu reden. Also haben wir jetzt 7 Hunde auf Station. Mein Stationsleiter wird absolut begeistert sein: Er fährt nach Deutschland, kommt zurück: Und wir haben 4 Hunde mehr. Hehe. Blöderweise muss ich sie wahrscheinlich impfen. Ist klar. Es reicht ja nicht, dass ich mich mit menschlichen Problemen rumschlage. Aber bisher ignoriere ich das Thema einfach noch. Eigentlich muss ich nämlich den größten, und leider auch bissfreundlichsten Hund hier spritzen. Doch meine Motivation dafür liegt leider bei 0. Und meine Angst vor diesem Hund bei 10. Und die Angst des Hundes vor mir leider auch bei 10, sodass er immer flüchtet, wenn er ahnt, was ich vorhabe







Und ja... ich bin ein bisschen verliebt <3 Ansonsten haben wir hier in Ngechek im Moment sehr viel Spass. Das Küchenteam versucht verzweifelt, mir das Kochen beizubringen. Und bekommen jedesmal einen Lachkrampf, wenn ich erkläre, dass ich später, wenn ich verheiratet bin, nicht kochen muss, weil das mein Mann macht. Absolut unvorstellbar! Aber sie sind trotzdem nett zu mir, auch wenn ich ihre Liebe für die Küche nicht teile. Die Küchenchefin Philo wohnt direkt ein Zimmer weiter. Wir planen sogar einen Durchbruch durch die Wand zu machen. Geplant sind 1,9x0,8 m. Doch leider ist dieser Plan noch nicht ganz ausgereift, da er die Pläne unseres Stationsleiters kreuzt: Das Haus halbwegs intakt zu halten. Theorien, wie wir es vertuschen können sind in Arbeit.

Am Wochenende besuchte ich die Großmutter von Caro. Ok, eigentlich irgendwie eine Verwandte von Caro, die über 90 Jahre alt ist. Genau genommen sagt das Alter gar nichts über diese Frau aus. Wenn ich sie zum Feind hätte, würde ich ihr Nachts garantiert nicht begegnen wollen.
Sie ist so gut in Form für ihr Alter, dass ich echt ziemlich beeindruckt war. Tja, und wie füllt man so richtig einen kenianischen Tag?
Mit Besuchen.

Also erst die Großmutter.

Dann den drittältesten Sohn der Großmutter.

Dann den ältesten Sohn, wo es Mittagessen gab.

Dann den zweitältesten Sohn, wo es zwar kein Mittagessen, dafür aber einen aggressiven Hund gab. Meine Motivation, diese Hundefreundschaft zu vertiefen war leider nicht sehr ausgeprägt, sodass wir danach was besonderes gemacht haben: Besuche!

Nochmal die Großmutter, die uns freundlicherweise ein zweites Mittagessen gekocht hat.

Und anschließend die zweitälteste Tochter der Großmutter.

Aber das beste habe ich mir für das nächste Mal aufgehoben: Da darf ich natürlich alle nochmal besuchen, aber dann inklusive der ältesten Tochter und die Söhne der ältesten Tochter, die allesamt einen eigenen Haushalt besitzen. Doch alles in allem war es ein ganz lustiger Tag. Vor allem die Großmutter ist wirklich super! Sie heißt übrigens Grace und hat mich nach 10 Minuten adoptiert. Das heißt, ich habe jetzt eine ganz lustige, kenianische Oma. Und ich habe den Verdacht, dass sich Oma Agathe sehr gut mit ihr verstehen würde :D


Sonst gibt es nicht besonders viel Neues. Obwohl. Stimmt. Ich katapultiere mich nächsten Dienstag ins Land der Leute, die sich richtig lächerlich gemacht haben. Angefangen hat es mit einem Besuch der Secundary school in Ngechek. Secondary schools starten hier ab Klasse 8. Das heißt keine netten süßen Kinder wie in meiner Klasse in Chelelat. Und dort macht man den Religionsunterricht dann vor der ganzen Schule. Aber das Schlimmste ist: Nächsten Dienstag soll ich den Unterricht machen. Das heißt übersetzt: Die kleine schüchteren Kiki steht vor ungefähr 100 fremden Schülern, die fast erwachsen sind, und kann denen etwas erzählen. Was, weiß ich noch nicht genau. Aber ich bin für Anregungen sehr dankbar...


Seit neustem habe ich dann noch einen Kalenjin- Namen: In diesem Stamm wird man nach den Umständen seiner Geburt benannt. Wenn es z.B. regnet und ein Mädchen ist heißt man Jerop.
Wenn man im Krankenhaus geboren ist heißt man Chepchumba. Mir wurde erklärt, dass heißt ganz genau übersetzt: Bei den weißen Menschen geboren. Jetzt kann es natürlich sein, dass die Hebamme bei meiner Geburt eine schwarze Hautfarbe hatte. Aber meine Mama hat mir solche „wichtigen“ Dinge noch nie erzählt... Ich glaube ich hätte es auch etwas rassistisch gefunden, wenn sie mir das extra gesagt hätte. Und die Mädels hier sind sich auch nicht einig, ob ich im Falle des Falls nochmal umbenannt werden muss. Da gehen die Meinungen weit auseinander. Aber vielleicht regnete es ja auch, dann wäre die Streitfrage schön umgangen und mein Name wäre Jerop. Also Mama: Bitte her mit diesen lebenswichtigen Informationen :D


Hier haben alle Kinder einen afrikanischen Zweitnamen. Manche werden damit gerufen, bei manchen sagt man den englischen Namen. Aber am Zweitnamen kann man dann immer recht gut erkennen, aus welchem Stamm die Person herstammt.
So, ich finde, ich habe jetzt mal wieder genug geschrieben.


Ganz liebe Grüße

Kiki




Donnerstag, 24. Mai 2012

Neues auf Kenia

nachdem mein liebes Schwesterchen mich dran erinnert hat, nochmal mich zu melden, tue ich das lieber direkt. Also: als allererstes muss ich etwas loswerden: Ihr seid echt der Hammer!!! Sooo viel Geld. Oh weh. Das haut mich echt um, wenn ich nicht gerade in meinem Bettchen sitzen würde... So und warum ich mich nicht gemeldet habe? Hm. Das ist blöd zu erklären. Manche würden sagen ich habe meinen Kulturschock gehabt. Aber das ist natürlich totaler Quatsch. Es sind natürlich alle anderen die im Moment einen direkten Zugang zu meinem zentralen Aggressionszentrum haben... (Für alle die die Ironie nicht hören: Es liegt an mir). Das hat leider verschiedene Gründe: Einmal bin ich gaaanz bald gaaaanz alleine in der Medi, da Jenni tatsächlich aufhört :( Mir macht die Arbeit Spass und ich bin nicht mehr völlig überfordert. Aber ganz alleine zu arbeiten ist irgendwie blöd. Vor allem wenn man gewohnt ist, immer in einem super Team zu arbeiten. Dann gab es auch noch den Kindergeburtstag: Der hat mich dann völlig gestresst. Eigentlich sollte ich nur bei den Vorbereitungen ein Treffen der Teammember organisieren. Und schwuppss... ich war der Organisator des ganzen Geburtstages. Eigentlich noch mit einer Kenianerin, aber das ist halt so. Sie war dann plötzlich verschwunden und konnte nie dabei sein. Ein Geburtstag organisieren? Klar. Für 56 Kinder? Kein Problem. Aber in Kenia? AAAhhhhh... Ich habe mich fürchterlich aufgeregt, dass man bestimmten Menschen Aufgaben in die Hand drückt. Ihnen aber 10mal erklären muss, dass sie dafür verantwortlich sind, was sie machen sollen, und wie sie es machen sollen. Am liebsten hätte ich alles alleine gemacht. Ich war also leicht aggressiv, weil ich immer bis 12 Uhr nachts arbeiten durfte wegen dem Blödsinn und weil ich dann auch für alles angemotzt wurde, was nicht gelaufen ist!!! tja, dass war dann eine absolute frontale Konfontration der Kulturen. In Afrika wird alles Stück für Stück gemacht, und was nicht geschafft wird, das bleibt dann halt so. Das hat mich in den Wahnsinn getrieben!
So das war Konfontration Nummer 1. Konfontration Nummer 2 finde ich sehr viel schlimmer. Aber das auszudrücken ist beinahe unmöglich. Es gibt hier ein Kind, das mir ziemliche Sorgen macht. Der süße Junge mit der Latzhose. Emmanuel. Kommt aus armen (!) Verhältnissen, und lebt hier seit einem Jahr. Seit einem Jahr liegt sein Gewicht zwischen 10 und 12 kg. Und irgendwie mache ich mir Sorgen, weil ich der Ansicht bin, dass Kinder gefälligst wachsen und zunehmen sollen. Auch wenn manche Kinder mit dem Zunehmen in Deutschland wirklich masslos übertreiben müssen. Aber er bekommt normales Essen, und dazu noch 1000 kcal Nahrung zum trinken. Erbrechen tut er nur selten und Durchfall hat er soweit wir es beurteilen können auch keinen. Die hochkalorische Nahrung bekommt er seit 2 Monaten. Dazu kommt dann noch das seine Immunabwehr ziemlich im Keller ist. Wenn man ehrlich ist, ist sie kaum noch vorhanden. Als ich eines Nachmittags im Heim ihn besucht habe, ist er bei mir auf dem Arm eingeschlafen, nachdem ich ein bisschen versucht habe mit ihm zu reden. Er war an dem Tag so schrecklich schwach, dass ich echt verzweifeln musste. Also fing ich an zu weinen. Ich konnte einfach nicht anders. Aber sowas wird nicht angesprochen. Wenn es einem Kind nicht gut geht, dann spricht man darüber nicht. Man zeigt kein Mitgefühl. Das war ziemlich hart für mich. Klar, es gehört zur Kultur, die in dem Punkt echt ziemlich kaltherzig ist. Es hat echt lange gebraucht, bis ich einsehen konnte, dass weder ich noch die Afrikaner etwas an der Kultur ändern können. Und es ist auch frustrierend, dass man einfach nichts machen kann. Einmal die Krankenhäuser hier in der Gegend gesehen und erlebt, wie sie arbeiten, dann ist die Option den Jungen ins Krankenhaus zu tun ausgeschlossen. Der letzte Junge, der hier verstorben ist, kam ein paar Wochen zuvor in ein Krankenhaus. Eine Woche bevor er starb kam das Krankenhaus auf die Idee, eine Magensonde zu legen. Infusionen anhängen, weil der Junge nicht trinkt? Hm, davon haben sie oft noch nicht wirklich viel gehört. Erst nachdem sie von unserer Krankenschwester wirklich oft daran erinnert wurden, kam eine Infusion. Zudem sind sie wirklich unhygienisch. Einen Jungen in dem Zustand dorthin zu verlegen... Es gibt keine Isolierungsstation, sodass er dort kaum medizinische Hilfe bekommt sondern höchstens ein paar Infektionen. Aber es gibt nicht nur Negatives. Wir hatten auf dem Geburtstag echt vieeel Spass. Ich hatte ausreichend Gelegenheit mich zum Affen zu machen. Ok, vielmehr zur Katze. Bei dem Spiel: "Armer schwarzer Kater" D
Oder als wir abends ein Theaterstück aufführten. Ich spielte Paul, den Ehemann von Paula, die sich heftig streiten. Dann falle ich, breche mir ein Bein und die Ärzte kommen. Doch dann kommt der Regisseur. Und erklärt uns, dass wir das ganze doch ein bisschen lustiger spielen sollen. Und weil wir ein bisschen schwer vom Verstand her sind spielen wir es exxxtrem lustig. Also wir haben einen Lachflash nach dem anderen. Beim nächsten Durchgang sollen wir trauriger spielen. Also heulen wir uns mal so richtig aus, sodass die Taschentücher nicht reichen. Wir hatten auf jeden Fall sehr viel Spass!!
Nicht nur wir, sondern auch die Kinder fanden den Geburtstag toll. Und sie immitieren uns immer noch von dem Theaterstück. Morgen müssen wir nochmal eins aufführen. Und ich habe noch keinen Plan was. Naja, das wird schon =) Achso: zur Erklärung. Einmal im Jahr feiern wir mit allen Kindern zusammen Geburtstag, weil bei manchen Kindern niemand weiß, wann sie genau Geburtstag haben. Und ich fände es toll, wenn ich neues von der Mosel oder der Eifel hören würde. AUf jeden fall die neuen Umfänge von der Dini=) alleine im Endeffekt gemacht
Hallöchen an alle... ja ja die freche kiki hat schon lange nix mehr von sich hören lassen ;-) also aktualisiere ich mal den kontostand, damit ihr wenigstens etwas zu lesen bekommt :D ausserdem haben wir ernsthaft die 1000 euro grenze überschritten - juhuuuuuuuuuuu bisher eingezahlt: 1055 Euro von kiki ausgegeben: 295 Euro aktuelles guthaben: 760 Euro vielen dank an euch alle :)